Beiträge
Christina Wolber/Pascal Bastian
Gerichtsverhandlung im Kinderschutz als Netzwerk. Die Etablierung von Gewohnheiten zur Herstellung eines gesicherten Verfahrens (S. 181-195)
Anhand von empirischen Einblicken in das ethnografische Material eines zurzeit laufenden DFG-Projekts zum Zusammenwirken zwischen Familiengerichten und Jugendämtern beschreiben Christina Wolber und Pascal Bastian, welche Praktiken der Entscheidungsfindung sich in Kindschaftssacheverfahren zeigen und wie es den beteiligten Akteur:innen gelingt, ein gesichertes Gerichtsverfahren herzustellen. Dabei werden vor allem die Professionellen und die nichtmenschlichen Akteur:innen in den Blick genommen. Die Adressat:innen, die selbstverständlich ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der untersuchten Situationen sind, werden im Rahmen dieses Beitrags nicht priorisiert in den analytischen Fokus genommen.
Julia Kuhn/Vicki Täubig
Diskriminierungserfahrungen und Bleibeabsichten von Muslim:innen. Eine quantitative Analyse für Mecklenburg-Vorpommern (S. 196-213)
Julia Kuhn und Vicki Täubig untersuchen in ihrem Beitrag Diskriminierungserfahrungen von Muslim:innen, die in Mecklenburg-Vorpommern leben. Geprüft wird ein enger Zusammenhang zwischen erfahrener Diskriminierung und einem geringeren Verbundenheitsgefühl zum Wohnort sowie geringeren Bleibeabsichten. Grundlage der Analysen sind quantitative Daten, die mittels Online-Fragebogen 2023 erhoben wurden. Zunächst wird das begrenzte bisherige empirische Wissen zu Muslim:innen dargelegt und sodann der Forschungsstand zur Diskriminierung von Muslim:innen und zu antimuslimischem Rassismus vorgestellt sowie daraus Hypothesen abgeleitet. Anschließend werden die Analysen und Ergebnisse zu Diskriminierungserfahrungen, zu den Bleibeabsichten sowie deren Zusammenhängen aufgezeigt.
Nina Kiedrowicz/Jan Wehrheim
Kooperative Aufwertungsversuche. Lokalisiertes Wissen und die Gentrification von »Problemquartieren« (S. 214-230)
Auf Basis einer unsystematischen, im weitesten Sinne ethnografischen Langzeitbeobachtung und systematischer Recherchen wird von Nina Kiedrowicz und Jan Wehrheim für das Eltingviertel in Essen/Nordrhein-Westfalen dargelegt, wie sich Gentrification als umkämpfter Prozess praktisch vollzieht, welche Deutungsmuster und Wissensbestände dabei zum Tragen kommen und wie Akteurskonstellationen in Kooperation und Konkurrenz zueinander wirksam werden und letztendlich primär der Immobilienwirtschaft – namentlich Vonovia – dienen. Insoweit sind Sozialpolitik und Soziale Arbeit als eine ambivalente Institution/Akteurin im Prozess von Aufwertung und Verdrängung zu verstehen.
Michael Görtler/Martin Nugel
Raum, Zeit, Soziale Arbeit. Zur Anschlussfähigkeit raum- und zeittheoretischer Ansätze an die Soziale Arbeit am Beispiel der Lebensweltorientierung (S. 231-244)
In dem Beitrag von Michael Görtler und Martin Nugel wird die Anschlussfähigkeit raum- und zeittheoretischer Ansätze aus verwandten Wissenschaften an die Disziplin der Sozialen Arbeit am Beispiel der Lebensweltorientierung herausgearbeitet. Der Fokus auf diesen Ansatz, der von Hans Thiersch seit vielen Jahren verfolgt wird, wurde gewählt, weil diese Perspektive zu den Theorien beziehungsweise Bezugspunkten der Theoriebildung in der Sozialen Arbeit (z. B. »Alltags- und Lebensbewältigung«) gezählt wird und darin Raum und Zeit als Kategorien der Analyse von Alltag bzw. Lebenswelt und Gesellschaft bestimmt werden. Dazu werden zunächst anschlussfähige Ansätze aus verwandten Disziplinen diskutiert. Daran schließt sich der exemplarische Transfer auf eine lebensweltorientierte Soziale Arbeit an, um Möglichkeiten zur Erweiterung beziehungsweise Vertiefung dieser Theorieperspektive aufzuzeigen.
Katharina Ameli/Theresa F. Braun/Stephanie Krämer
»Ein Tier, was gestresst ist, gehört nicht in den tiergestützten Einsatz«. Eine kritische Betrachtung zur Rolle von Fachkräften in tiergestützten Interaktionen in Therapie, Pädagogik, Coaching und Förderung (S. 245-256)
Gegenwärtig ist nicht abschließend diskutiert, welche Bedeutung die Rolle von Fachkräften im Kontext der Professionalisierung tiergestützter Interaktionen, unter besonderer Berücksichtigung des Tierschutzes, einnimmt. An diesem Punkt setzt der Beitrag von Katharina Ameli, Theresa F. Braun und Stephanie Krämer an. Auf der Basis von Daten aus einer Erhebung zu tiergestützten Interventionen und Tierschutz werden Tätigkeitsbereiche und Motivationen der Fachkräfte für tiergestütztes Arbeiten analysiert. Hierbei wird herausgearbeitet, in welchen Bereichen tiergestützte Fachkräfte tätig sind, welche Tierarten sie einsetzen sowie aus welcher Motivation heraus sie tiergestützt tätig sind. Dies erlaubt eine kritische Perspektive auf tiergestützte Interaktionen zuzulassen und die Ergebnisse für weitere Diskussionen nutzbar zu machen.
Bericht
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe e. V.
Deutscher Kinder- und Jugend(hilfe)MONITOR 2025. Junge Perspektiven ernst nehmen – politische Forderungen für mehr Generationengerechtigkeit